Seit Mai 2014 haben wir sie, die Novelle der Energieeinsparverordnung. Die Ölkrise 1973 hatte damals aufgerüttelt und 1976 das Energieeinsparungsgesetz EnEG hervorgebracht. Es folgten eine Wärmeschutzverordnung (1977) und die Heizungsanlagen-Verordnung (1978). 2002 wurden das EnEG und diese Verordnungen von der 1. Fassung der EnEV abgelöst.

Nun also die EnEV 2014. Was bringt sie? Und: Sind diese Bestimmungen sinnvoll?

Gerade für Neubauten wurden die Anforderungen noch einmal erhöht. Klar, man will ja bis 2021 als (übrigens europaweiten) Neubaustandard das Niedrigstenergiegebäude erreichen. Für Behörden gilt hier das Jahr 2019. Deshalb muss ab Januar 2016 z. B. der zulässige Jahres-Primärenergiebedarf um durchschnittlich 25 Prozent gesenkt und der Wärmedurchgangskoeffizient (Dämmstandard der Gebäudehülle) um durchschnittlich 20 Prozent angehoben werden.

Aber im Neubaubereich sind wir sowieso schon Spitze, die weiteren Verschärfungen ergeben meines Erachtens wenig Sinn. Mir persönlich wäre es wesentlich wichtiger, die Gebäude in die Betrachtung einzubeziehen, die nach 1945 und bis zur Einführung des EnEG in den 70er Jahren gebaut worden sind. Denn für sie gilt die EnEV nur sehr eingeschränkt, nämlich dann, wenn sehr große Umbaumaßnahmen durchgeführt werden. Aber hier schlummert ein riesiges Energieeinspar-Potenzial! Wärmebildkameras zeigen: Dort wird oftmals nach draußen geheizt.

Wenn das Ziel der Bundesregierung, bis 2050 alle Bestandsgebäude so zu sanieren, dass sie klimaneutral sind, erreicht werden soll, muss sich in diesem Bereich endlich etwas bewegen. Seit Anfang der 90er Jahre gibt jede Bundesregierung das (dann leider nicht erreichte) Ziel aus, die Sanierungsquote bei Altbauten zu verdoppeln. Seit dem Auslaufen des Konjunkturpakets II ist die Vergabe von finanziellen Mitteln für Gebäudesanierungen vor allem eines: Unberechenbar. Erforderlich wäre hier endlich Verlässlichkeit (und ein Ende der Streitigkeiten zwischen Bundestag und Bundesrat über die Finanzierung einer steuerlichen Förderung…)!

Es ist natürlich auch schwierig, den Eigentümern dieser Häuser energetische Maßnahmen schmackhaft zu machen. Vom Grundsatz her wissen die zumeist schon älteren Herrschaften genau, was eine energetische Sanierung ihrer Immobilie für Vorteile hat. Aber der Zeitraum der Amortisierung, also der Deckung der Kosten durch dadurch entstehende Einsparungen, ist für viele auf Grund ihres Alters ein klarer Punkt gegen die Investition. Und junge Hausbesitzer haben (noch) kein Geld für aufwändige Sanierungsmaßnahmen.

Fördermittel für Bestandsbauten aufzutreiben ist schwierig und einfach nicht sexy und bringt wenig Ruhm. Aber den meisten Nutzen, wie ich meine! Wenn wir uns vor Augen führen, dass ein Gebäude Mitte der 70er Jahre pro Jahr ca. 5.000 Liter Heizöl verbrannte und im Vergleich dazu ein nach heutiger Energieeinsparverordnung gebautes Haus gerade einmal 700 Liter verbraucht, so zeigt dies die Wichtigkeit der Gebäudesanierung.

Natürlich muss man hier genau unterscheiden: Bei Wohngebäuden, die mit starken Ziegelaußenwänden und Fassadenvorsprüngen und vielleicht noch Ornamenten ausgestattet sind, müssten in der Regel nur die meist alten Fenster ausgetauscht und das Dach isoliert werden. Klassische Ziegelwände wirken nämlich speichernd und bieten einen tollen Sommerhitzeschutz. Hat ein Gebäude dünne glatte Außenwände, nur einfache Verbundglasfenster und ungedämmte Stahlbetondecken, müsste man eine Komplettsanierung ins Auge fassen, die dann zu einer Heizkostenersparnis von nicht selten bis zu 75 % führen könnte. Aber es muss richtig gearbeitet werden, denn sonst ist ein mit ungeeigneten Materialien eingepacktes Haus ohne Zwangslüftung nach ungefähr 10 Jahren eine „hausförmige Sondermülldeponie“ (FAZ), ganz zu schweigen vom schlechten Wohnklima im Innenraum.

Zurück zum Neubau: Das Bundesbauministerium hat das Modellvorhaben ''EffizienzhausPlus'' aufgelegt. Dieses Haus ist ein zu 100 Prozent auf Strom basierendes Gebäude. Erste Ergebnisse zeigen, dass es tendenziell mehr Energie verbraucht als zuvor berechnet. Hier liegt der Nutzen in relativ großen Photovoltaik-Anlagen, deren erzeugte Energie allerdings nur in Kombination mit großen Batteriespeichern und von Elektrofahrzeugen genutzt werden kann. Nur mit einer Zusatzausstattung mit komplexer Elektronik kommt man momentan zu besseren Ergebnissen – das bedeutet aber auch wesentlich höhere Gesamtbaukosten, einen hohen Wartungsaufwand, erhebliche Betriebskosten und eine Einschränkung des Nutzerverhaltens. Der Energiegewinn ist hier im Vergleich zu den Kosten zu gering! Im Gegensatz dazu reicht bei einem Passivhaus die nach Süden ausgerichtete Dachfläche, um den Gesamtenergiebedarf zu 80 Prozent zu decken. Das bedarf nur eines relativ kostengünstigen und relativ geringen technischen Aufwands und rückt daher für viele Bauherren in den Bereich des Möglichen. Für mich klingt das auf jeden Fall attraktiver als das Programm des Ministeriums. Auch die Kommunen können hier positiv eingreifen, indem sie ihre Bebauungspläne unter Beachtung der Himmelsrichtung und damit der Sonneneinstrahlung aufstellen. Sie sollten sich öffnen für solares Bauen! Hier besteht noch großer Handlungsbedarf, der allerdings am vielfach verbreiteten Grundsatz rüttelt, dass nur Satteldächer das Bild einer Gemeinde bestimmen dürfen.

Deutschland braucht mehr Wohnraum - Neubauten und klug energetisch sanierte Altbauten. Der Bund und der Freistaat Bayern ziehen sich z. B. mehr und mehr aus dem sozialen Wohnungsbau zurück, die Wohnbauförderung in diesem Bereich liegt bei nur noch einem Drittel im Vergleich zu den 90er Jahren. Dem gegenüber sind die Baukosten um 4-5 Prozent pro Jahr gestiegen. Die höheren Anforderungen der EnEV wirken hier noch verstärkend. Diese Entwicklung betrachte ich mit Sorge! Wir müssen bei der Diskussion und der Gesetzgebung zu Energiekosten und deren Einsparung aufpassen, dass wir nicht das Gegenteil von dem erreichen, was wir eigentlich wollen. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Verschlechterung der Rahmenbedingungen für die Energiegewinnung mit Kraft-Wärme-Kopplung: Mit ihrem Wirkungsgrad von rund 90 Prozent ist sie bestens geeignet für den Geschosswohnungsbau. Aber die schwarz-rote Bundesregierung unterstützt die CO2-schädliche Verfeuerung von Braunkohle zur Energiegewinnung mit dem Ergebnis, dass ihre eigenen Klimaziele in weite Ferne rücken.

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Wir finden, dass energetische Gebäudesanierungen steuerlich gefördert werden sollen: